Nachruf auf Aylana vom Kranichblick,

unsere liebe, charismatische Eurasierhündin

Aylana, geboren am 8.07.2005, war das einzige Mädchen von insgesamt sechs Welpen im A-Wurf "vom Kranichblick" an der vorpommerschen Ostseeküste, in der Nähe von Stralsund. Sie lernte, sich gegen ihre fünf Brüder zu behaupten, was vermutlich auch zu Aylanas späterer Souveränität beitrug. – Mein Mann und ich verliebten uns bei unserem ersten Besuch bei der Züchterin sofort in das damals vier Wochen alte "Lienchen", wie wir Aylana später oft liebevoll nannten. Nicht, dass sie uns "entgegensprang", nein, sie schlief sogar meistens, als wir sie in der Aufzuchtzeit dreimal besuchten. Ansonsten soll sie nach Aussagen der Züchterin sehr neugierig und agil gewesen sein.

Aylana, vier Wochen alt

Sie verhielt sich von Anfang an wie eine typische Eurasierhündin, ließ sich nicht allzu gerne anfassen, genoss aber Streicheleinheiten, wenn sie es wollte. Wir durften aber auch nicht zu vereinnahmend sein, dann zog sie sich zurück, was aber unsere Liebe zu ihr nicht schmälerte. Fremde mussten erst Aylanas Vertrauen gewinnen, was bei Kindern zu Enttäuschungen führte, denn manche wollten diesen "hübschen Teddy" gerne umarmen. Sie war nunmal mit ihrer dunklen Maske und den großen Kulleraugen, die wie geschminkt wirkten sowie einem wunderbar gezeichneten, weichen und doch kräftigen, dichten Fell eine besonders schöne Hündin.

In der ersten Zeit in ihrem neuen Zuhause bei uns musste sie sich dem damals zehnjährigen Eurasierrüden Björn vom Waldhof, der ebenfall bei uns lebte, unterordnen – das gab er ihr ganz deutlich zu verstehen... So durfte Aylana z.B. an unserem Grundstückszaun nicht bellen, bevor sie ein Jahr alt war – dieses behielt sich Börni als "Chef"persönlich vor.

Aylana hatte leider einen stark ausgeprägten Jagdtrieb, was sie in der wald- und rehreichen Umgebung unseres Grundstückes in der Lüneburger Heide mehrfach ausnutzte und uns verzweifelt auf die Rückkehr von ihren "Ausflügen" warten ließ – Gott sei Dank konnten wir am Ende immer erleichtert durchatmen. Sie rannte mir auch einmal auf einem Spaziergang davon, als sie mit einer Schleppleine "gesichert" war, obwohl sie vorher gerade in einer Hundeschulstunde eine "Lektion Gehorsamkeit" vermittelt bekommen hatte.  Es verschlug sie dabei in ein extrem unwegsames Gelände mit steilen Böschungen und sumpfigen Bereichen. Ich folgte ihrem verzweifelten Bellen, das von weitem an mein Ohr drang. In einer sehr schwierigen Aktion fand ich sie schließlich – vor Erschöpfung inzwischen nicht mehr zu Lautäußerungen fähig – mit der Schlaufe der Schleppleine an einem Baumstumpf festhängend, vor. Das Lienchen freute sich überschwänglich über mein Erscheinen, zog auf dem Nachhauseweg aber bald wieder heftig an der Leine, nachdem sie nur kurzzeitig bei Fuß gegangen war und das wohl auch eher mangels Kraft, als aus Dankbarkeit darüber, dass ich sie befreit hatte. – Im Alter von zwei Jahren schien Aylana plötzlich alles in der Hundeschule Gelernte umsetzen zu können – bzw. zu wollen – sie wurde eine gut zu führende Hündin, es sei denn, es kreuzte plötzlich ein Hase oder Reh unseren Weg...

Mehrfach machten wir mit unseren Eurasiern Urlaub auf der Nordseeinsel Amrum. Aylana wurde dort eine richtige "Wasserratte", furchtlos ließ sie sich von den Wellen überrollen, um dann wie ein Seehund wieder daraus aufzutauchen – das brachte ihr damals den Namen "Seehund der ZG" ein.

Mit drei Jahren wurde Aylana dann eine liebevolle, aber auch konsequente Mutter von sieben wundervollen Welpen (A-Wurf vom Bossardpfad). Ihre Tochter Anouschka, die bei uns blieb, verunglückte leider schon mit sechzehn Monaten auf tragische Weise tötlich...

Sechsjährig half unser Lienchen uns dann bei der Erziehung der kleinen Coco-San (Sanny) von Barschlüte, die nun bei uns einzog. Sanny durfte sich schon beim Abholen von der Zuchtstätte im Auto an Aylana kuscheln. Die beiden wurden sehr vertraut miteinander, und als der B-Wurf vom Bossardpfad – mit Sanny als Mutter – das Licht der Welt erblickt hatte, beteiligte sich die nun schon neunjährige Aylana sehr interessiert an der Betreuung der vier Welpen. Besonders viel kümmerte sie sich um die kleine, freche Bonny – mit dem Ergebnis, dass nun auch Bonny bei uns blieb. Sie wurde Aylanas enge Freundin, die dann später bis zuletzt sehr eng mit ihrer "Ziehoma" verbunden war, und die ganz viel von Aylanas ruhigem, sicheren Wesen profitierte. Aylana gab Bonny beträchtlichen Halt.

Auf den Eurasierspaziergängen, an denen wir uns mit unseren Hunden regelmäßig beteiligten, durfte Aylana im Büsenbachtal und in Stove sowie für lange Zeit auch in Neukloster viele Rassegenossen treffen, woran sie sehr interessiert war – mit Begeisterung sprang sie in ihrer Jugend über die Heide und durch die Elbfluten.

Auch jenseits ihres zehnten Lebensjahres hatte unser Lienchen noch viel Lebensfreude – auf unserem großen Waldgrundstück mit Sanny und Bonny und bei Hundebegegnungen auf den Spaziergängen. Doch sie musste im Laufe dieser Jahre mehrfach operiert werden, an einem Milchleistentumor, wegen einer Magendrehung und auch an ihren Augen. Aylana zeigte nach ihrer Magendrehungs-Notoperation und einem anschließenden fünftägigen stationären Aufenthalt in der Tierklinik (wegen Herzrhythmusstörungen) zunehmend Angst, verlassen zu werden; wir merkten dies daran, dass sie immer die Gewissheit brauchte, meinen Mann oder mich bei sich zu haben, denn wenn wir aus ihrem Blickfeld verschwanden, kratzte sie an der Tür oder fing an zu bellen und steigerte sich in diese Situation hinein, wenn sie sich länger alleine fühlte. Nur in unserem Auto passierte so etwas nicht, dort blieb sie ruhig.

Ab dem vierzehnten Lebensjahr manifestierte sich Aylanas Atembeeinträchtigung und verschlimmerte sich nach ihrem fünfzehnten Geburtstag zusehends, sodass uns leider keine Wahl blieb: Wir mussten unsere Aylana vor dem Ersticken bewahren. Bevor wir schweren Herzens endgültig der Tierärztin Bescheid gaben, dass sie Aylana erlösen sollte, hatte uns unser Lienchen durch ihren panischen Blick und ihre kraftlose Körperhaltung angezeigt, dass sie nicht mehr weiterkämpfen wollte – zumindest deuteten wir ihre Zeichen so... Sie legte sich noch auf ihren Lieblingsplatz, nachdem sie ihre Beruhigungsspritze bekommen hatte. – Am 16. März 2021, im Alter von fünfzehn Jahren und acht Monaten, setzte unsere Tierärztin dann Aylanas langem, ereignisreichen Leben ein Ende – ganz friedlich schlief sie in unserer Mitte und in Anwesenheit von Sanny und Bonny in unserem Wohnzimmer ein.

Für uns folgte jetzt eine Zeit, in der wir neben unserer Trauer auch das Hin-und Hergerissensein erlebten – zwischen dem Vernunftgedanken, dass es richtig sei, Aylana erlöst zu haben und dem Gefühl des Zweifels...

Bis zuletzt war Aylana die Leithündin in unserem Dreierrudel geblieben, und niemals hat Sanny oder Bonny ihr die Position streitig gemacht. Sie zeigte immer Präsenz – und hatte ein besonderes Charisma.

Aylana ist meinem Mann und mir ganz eng ans Herz gewachsen, wir trauern mit Sanny und Bonny schmerzlich um sie und wünschen ihr, dass sie nun jenseits der Regenbogenbrücke ihren Frieden gefunden haben möge –

 

                                                                         "MACH´S GUT, KLEINES LIENCHEN!"

 

  


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Gundula & Uwe Behncke

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